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Theorie

 
 
 

Aktivitäten und Aktivitätskoeffizienten

Um die Begriffe Aktivität und Aktivitätskoeffizient zu verstehen, müssen wir uns zunächst mit dem chemischen Potential auseinandersetzen.
Wird der Stoff i mit anderen Substanzen vermischt, so nimmt die Freie Enthalpie G des Gesamtsystems ab, sofern es sich um eine ideale Mischung handelt. Dies geschieht aufgrund der Zunahme der Entropie S und da für den ideale Fall tex2html_wrap_inline835 gilt. Im Falle einer isothermen Vermischung gilt die Gibbs-Helmholtz-Beziehung:

equation18

Die Freie Enthalpie des Gesamtsystems ist also - außer von Druck und Temperatur - auch von der Zusammensetzung der Mischung abhängig. Hält man nun also Druck und Temperatur konstant, so kann man die Auswirkung der Zugabe eines Stoffes i auf die Freie Enthalpie des Gesamtsystems folgendermaßen formulieren:

equation21

tex2html_wrap_inline837 nennt man das chemische Potential des Stoffes i in der Mischung. Dies ist nichts anderes als die partielle, molare Freie Enthalpie von i in der Mischphase bei p und T, sowie einer gegebenen Stoffzusammensetzung. Das chemische Potentia tex2html_wrap_inline837 l gibt uns also darüber Aufschluß, wie sich die Freie Enthalpie des Gesamtsystems ändert, wenn man 1 Mol der Substanz i hizufügt. Hierbei ist dann zu beachten, daß sich die Zusammensetzung der Mischung aber nicht ändern darf, da tex2html_wrap_inline837 von der Konzentration aller Stoffe der Mischung abhängt.
Den Anteil, den ein Stoff i an der Freien Enthalpie einer idealen Mischung hat, ist also vom Stoffmengenanteil - dem Molenbruch - abhängig. So kann man für das chemische Potential tex2html_wrap_inline837 eines Stoffes i in einer idealen Mischung schreiben:

eqnarray26

Das verringerte chemische Potential von i in der idealen Mischung im Vergleich zum Reinstoff ist also nur auf den kleineren Molenbruch tex2html_wrap_inline845 zurückzuführen. Dies bedeutet, daß Wechselwirkungen zwischen i und den übrigen Komponenten der Mischung keine Rolle spielen.
Für den reinen Stoff i (tex2html_wrap_inline847) geht Gleichung (3) über zu

equation33

Es läge dann also der Bezugszustand vor. Eine Betrachtung bei der das chemische Potential lediglich vom Molenbruch abhängt, entspricht sicher nicht der Realität. Wir müssen also, wenn wir eine reale Mischphase betrachten, der Wechselwirkung der Teilchen Rechnung tragen und Gleichung (3) entsprechend anpassen. Dazu führen wir einen Korrekturterm, tex2html_wrap_inline849 ein.

equation37


tex2html_wrap907



Durch Umformung von (5) gelangen wir zu einer Gleichung, die rein formal Gleichung (3) entspricht.

eqnarray56

wobei

equation58


tex2html_wrap_inline855 wird die Aktivität des Stoffes i in der Mischung genannt und kann also als effektiver Molenbruch der Substanz i bezeichnet werden. Die Aktivität stellt das Produkt des Molenbruchestex2html_wrap_inline857 und des Aktivitätskoeffizienten tex2html_wrap_inline859 dar.

Das chemische Potential bei einem bestimmten Druck und einer festgelegten Temperatur ist, wie uns die Gleichungen (3) und (5) zeigen, außer vom Molenbruch bzw. der Aktivität auch von der Wahl des Bezugszustandes abhängig. Im Falle von Gleichung (3) ist dieser Bezugszustand der reine Stoff (tex2html_wrap_inline861) bei gleichem Druck und gleicher Temperatur wie die Mischphase vorliegt. Die Wahl des Bezugstandes, der durch tex2html_wrap_inline863 charakterisiert ist, ist abhängig von dem System, welches man betrachtet.
 

tabular65


Außer auf den Molenbruch kann die Aktivität auch auf die Molarität oder Molalität bezogen werden. Bezieht man die Aktivität auf die Konzentration, so muß man folgendes beachten:

  • Der Standardzustand ist hier die 1M-Lösung von i im Zustand unendlicher und damit idealer Verdünnung
  • Im Argument des natürlichen Logarithmus darf keine Einheit stehen
  • Somit kann man das chemische Potential eines gelösten Stoffes in Abhängigkeit von seiner Konzentration folgendermaßen formulieren:

    equation79

    tex2html_wrap_inline881 stellt die Konzentration von i und tex2html_wrap_inline883 den sogenannten praktischen Aktivitätskoeffizienten dar.

    tex2html_wrap909


     
     

    Debye-Hückel-Theorie

    Im vorigen Abschnitt wurde bereits erwähnt, daß die Teilchen einer realen Mischung - im Gegensatz zu einer idealen Mischung - miteinander wechselwirken. Die Debye-Hückel-Theorie führt die Wechselwirkung in starken Elektrolyten allein auf die Coulomb-Wechselwirkung zurück. Durch die Anziehung entgegengesetzt geladener Ionen bildet sich eine Nahordnung aus, die kristallähnlich ist. Positiv geladene Ionen werden sich kugelsymmetrisch um negativ geladene anordnen und umgekehrt. Dieser Ordnung entgegen wirkt die thermische Energie der Teilchen.
    Die quantitative Behandlung der interionischen Wechselwirkung erfolgt ausgehend von der Poissonschen Gleichung.

    eqnarray107


     

    Hierbei sind tex2html_wrap_inline911 die elektrische Feldstärke, tex2html_wrap_inline913 das elektrische Potential, tex2html_wrap_inline915 die Ladungsdichtetex2html_wrap_inline917tex2html_wrap_inline919 die Dielektrizitätskonstante des Mediums und tex2html_wrap_inline921 die elektrische Feldkonstante. Für die kugelsymmetrische Ladungsverteilung um ein Zentralion geht man zweckmäßiger zu Polarkoordinaten über. Dadurch gelangt man zu:
     

    equation121


    Hierbei stellt r den Abstand vom Zentralion dar.
    Um Aussagen über die interionischen Wechselwirkungen machen zu können ist es notwendig das elektrische Potential tex2html_wrap_inline925 zu bestimmen. Dazu müssen wir allerdings zunächst die Ladungsdichtetex2html_wrap_inline927 kennen. Die Größe tex2html_wrap_inline927 ist wiederum abhängig von der Ionendichte tex2html_wrap_inline931.

    equation132

    Zur Bestimmung der Ladungsdichte wird also über die einzelnen Ladungsdichten der verschiedenen Ionensorten i aufsummiert.
    Die Ionenladungsdichte kann ihrerseits durch eine Boltzmannverteilung beschrieben werden. Hierbei sind die beiden widerstrebenden Energien zu berücksichtigen: nämlich die elektrostatische Anziehung für ein Ion der Ladung tex2html_wrap_inline933 im elektrischen Potential tex2html_wrap_inline925 und die thermische Energie.

    eqnarray136

    tex2html_wrap_inline937 ist die mittlere Zahl der Ionen in einem Volumeninkrement (mittlere Teilchenzahldichte), repräsentiert also die Teilchenzahldichte wenn kein Einfluß durch ein Potential vorläge. Unter Berücksichtigung der Gleichungen (12) und (11) erhält man folgenden Ausdruck für die Ladungsdichte.

    equation149

    Für sehr verdünnte Lösungen ist die potentielle Energie zwischen den Ionen sehr viel kleiner als die durchschnittliche thermische Energie, also gilt: tex2html_wrap_inline939. Daher können wir die e-Funktion in einer Reihe entwickeln und nach dem zweiten Term abbrechen. Es gilt:

    equation156


    Somit erhält Gleichung (13) die folgende Form.
     

    equation162


    Da sich die Anzahl der positiven und negativen Ladungen in der Lösung aufheben (Elektroneutralitätsbedingung) muß der erste Term in Gleichung (15) Null sein. Dieser enthält nämlich lediglich die Summation über sämtliche Ladungen.

    Beachtet man weiterhin, daß die Teilchenzahldichte tex2html_wrap_inline937 als Produkt aus Loschmidtzahl tex2html_wrap_inline943 und Konzentration tex2html_wrap_inline881 der Ionensorte i formuliert werden kann (Gleichung (12)), und führt man zudem die Größe der Ionenstärke I ein

    equation175

    so gelangt man zu der folgenden Darstellung der Ladungsdichte tex2html_wrap_inline927:

    equation182

    Durch Einsetzen von Gleichung (17) in Gleichung (10) erhält man die Poisson-Boltzmann-Gleichung.

    eqnarray190


    tex2html_wrap_inline951 hat die Dimension einer Länge und stellt den Radius der Ionenwolke dar.
    Die Lösung obiger Differentialgleichung lautet:

    equation208


     
     

    Die beiden Konstanten A und B ergeben sich aus den Randbedingungen:
     
     

  • tex2html_wrap_inline925 muß für tex2html_wrap_inline959 gegen Null streben und
  • die Elektroneutralitätsbedingung muß erfüllt sein. Die Integration über die Ladungsdichte der Ionenwolke vom minimalen Abstand a zum unendlichen Abstand vom Zentralions muß also genau die Ladung des Zentralions - allerdings mit umgekehrten Vorzeichen - ergeben.
  • Dadurch ergibt sich

    eqnarray223


    Nun gelangen wir endlich zu einer Gleichung für unser Potential.
     

    equation233


    Der erste Faktor in dieser Gleichung entspricht genau dem Potential welches allein durch das Zentralion verursacht wird.
     

    equation244


     

    Das durch die Ionenwolke hervorgerufene Potential ergibt sich aus der Differenz von tex2html_wrap_inline925 und tex2html_wrap_inline965.

    equation248


    Für das Potential der Ionenwolke am Ort des Zentralions tex2html_wrap_inline967 - also beim kleinsten möglichen Abstand a - erhält man folgende Beziehung:

    equation258


    Die vorangehenden Betrachtungen der Debye-Hückel-Theorie helfen uns bislang bei der Bestimmung von Aktivitätskoeffizienten kein Stück weiter. Wir müssen also einen Ansatz finden der das elektrische Potential tex2html_wrap_inline925 mit dem chemischen Potential verknüpft.
     

    Die elektrische Arbeit, die aufgebracht werden muß um ein Ladungsinkrement tex2html_wrap_inline973 zu erzeugen, ist das Produkt des Ladungsinkrementes selbst und des am Ort herrschenden Potentials.

    equation264


    Der erste Term stellt den Energiebetrag dar, welcher nötig wäre um ein isoliertes Teilchen aufzuladen, was den Verhältnissen einer ideal verdünnten Lösung entspräche. Der zweite Term muß also ein Korrekturterm sein, der die Gegenwart der Ionenwolke berücksichtigt. Daher sollte eben dieser Term auch den Aktivitätskoeffizient enthalten. Wir sind dem Ziel, das chemische Potential mit dem elektrischen Potential in der Lösung zu verknüpfen, aus noch einem anderen Grund ein Stückchen näher gerückt.

    Der zweite Term in Gleichung (24) stellt nämlich wie auch das chemische Potential eine Energie dar. Die erstgenannte Energie ist jedoch auf einzelne Teilchen bezogen, während tex2html_wrap_inline837 eine molare Energiegröße ist. Aber diesem Problem ist leicht Abhilfe zu verschaffen indem man tex2html_wrap_inline977 mit der Loschmidtzahl tex2html_wrap_inline943 multipliziert. Die Integration dieses Produktes in den Grenzen von 0 bis tex2html_wrap_inline933 ist dann gleich der Differenz der chemischen Potentiale der Ionensorte i in einer realen und idealen Mischung.

    equation269



    Die Integration liefert uns schließlich das folgende Ergebnis.
     

    equation279


    Da wir uns mit stark verdünnten Lösungen beschäftigen, können wir davon ausgehen, daß der Radius der Ionenwolke tex2html_wrap_inline951 sehr viel größer ist als der minimal mögliche Abstand a. Wir können also a gegenüber tex2html_wrap_inline951 vernachlässigen und gelangen durch einsetzen vontex2html_wrap_inline951 (vgl. Gleichung (18)) zu:
     

    equation285


    Dies ist das Debye-Hückelsche-Grenzgesetz. k ist hierbei die Boltzmann-Konstante tex2html_wrap_inline999. Weiterhin ist zu beachten, daß die Größe A die an dieser Stelle eingeführt
    wird, nichts mit der Integrationskonstanten in Gleichung (19) zu tun hat.

    Es nicht möglich, die individuelle Aktivität einer einzigen Ionensorte i zu bestimmen, da aufgrund der Elektroneutralitätsbedingung die Lösung stets Kationen und Anionen enthalten muß. Man kann also nur einen mittleren Aktiviätskoeffizienten tex2html_wrap_inline1005 erfassen.
     

    equation301


    Betrachten wir z.B. eine verdünnte, wässrige (tex2html_wrap_inline1007) Lösung eines starken Elektrolyten bei 298 K so erhält man für A den Wert:

    eqnarray305
     

    Will man nun außerdem den dekadischen anstelle des natürlichen Logarithmus verwenden
     

    eqnarray312
     

    so gelangt man zu

    equation315


    Das Debye-Hückelsche-Grenzgesetz zur Bestimmung mittlerer Aktivitätskoeffizienten berücksichtigt individuelle Eigenschaften - wie Größe und Solvatation - verschiedener Ionensorten nicht. Theoretisch sollten also bei sämtlichen Lösungen starker Elektrolyte, mit gleicher Ionenstärke I und gleichem Produkt der Wertigkeiten der Ionen tex2html_wrap_inline1011, die gleichen mittleren Aktivitäten der Ionen vorliegen. Dies gilt allerdings nur in Konzentrationsbereichen bis maximal 0,01 M.
     

    Für die Verhältnisse bei ionalen Konzentrationen zwischen 0,01 und 0,1 M läßt sich eine Näherungslösung finden, indem man den mittleren Radius des Zentralions a (also den minimalen Radius der Ionenwolke) mit berücksichtigt.
     

    equation324


    Anstelle von A tritt hier, aufgrund der Umrechnung in die Einheittex2html_wrap_inline1017 und durch den Übergang zum dekadischen Logarithmus, A' auf. Die Aufgabe der SI-Einheiten erfolgt deshalb, weil nun die Konzentration in tex2html_wrap_inline1021 (tex2html_wrap_inline1023) eingesetzt werden kann. Die gleiche Umformung ist übrigens auch bereits in Gleichung (29) geschehen. Für B ergibt sich entsprechend:

    eqnarray337
     

    Auch Gleichung (30) beschreibt die Aktivitätskoeffizienten nur gut für Konzentrationen bis 0,1 M bei 1,1-wertigen Elektrolyten.

    Bei größeren Ionenstärken und höherwertigen Salzen kommt es zu Abweichungen, die sich durch obige Gleichung nur bei Verwendung viel zu kleiner oder gar negativer a-Parameter beschreiben ließen. Eine Bezeichnung von a als mittlerer Ionendurchmesser oder Minimalabstand der Ionenwolke vom Zentralion ist dann physikalisch nicht mehr sinnvoll. Anstatt die Korrekturen in den Parameter a mit einzubeziehen, führt man folgende Gleichung ein:
     

    equation344


    C ist ein empirischer Parameter. Dieser muß die Schwächen der Theorie ausbügeln, so z.B. daß die Dielektrizitätskonstante des reinen Lösungsmittels tex2html_wrap_inline919 nicht der Dielektrizitätskonstanten des Solvens nach Elektrolytzugabe entspricht. Schon in einer 0,1 M Lösung fällt die DK zwischen 2 und 5% geringer aus.

    Elektrochemische Bestimmung mittlerer Aktivitätskoeffizienten

    Beschäftigt man sich mit der Energetik chemischer Reaktionen, so gibt man die Freie Reaktionsenthalpie tex2html_wrap_inline1037 als Maß für die beim Prozeß geleistete, reversible Arbeit (mit Ausnahme der Volumenarbeit) an.
     

    eqnarray351
     
     

    eqnarray355


     

    Handelt es sich bei der betrachteten Reaktion um Elektrodenprozesse, so nimmt man die EMK (Elektromotorische Kraft, Klemmenspannung im stromlosen Zustand) als Maß für die reversible Reaktionsarbeit. Zwischen der Potentialdifferenz E und der Freien Reaktionsenthalpie tex2html_wrap_inline1037 besteht folgender Zusammenhang:
     

    equation359


    z sind die je Formelumsatz umgesetzten Elekronen und F ist die Faraday Konstante (96484,56 C tex2html_wrap_inline1047). Gleichung (32) geht unter Verwendung von (33) über in die Nernstsche Gleichung.
     

    equation367


    tex2html_wrap_inline1049 ist die Standard-EMK und wie tex2html_wrap_inline1051 ist sie eine temperaturabhängige Größe. Die üblicherweise verwendeten Standardbedingungen sind 298,15 K und 1,013 bar. Die Nernst-Gleichung ist nur anwendbar bei Messungen im stromlosen Zustand!
     



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